Menschenrechtler ehren Menschenrechtler

GESELLSCHAFT FÜR BEDROHTE VÖLKER
PRESSEMITTEILUNG      Göttingen, den 21. September 2014
Menschenrechtler ehren Menschenrechtler Bernard Kouchner
Gründer von „Ärzte ohne Grenzen“  und Frankreichs Ex-Außenminister mit Victor-Gollancz-Preis geehrt.
Für seinen lebenslangen Einsatz gegen Menschenrechtsverbrechen hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) den französischen Ex-Außenminister Bernard Kouchner mit ihrem Victor-Gollancz-Preis geehrt. Dem Mediziner und Gründer von „Ärzte ohne Grenzen“ (MSF) wurde die Auszeichnung am Samstagabend in der Aula der Universität Göttingen überreicht. Wie bei dem Gründer der GfbV, Tilman Zülch, war auch bei Kouchner der Völkermord im Kessel von Biafra, bei dem 1968 rund zwei Millionen Ibo – vor allem Kinder – verhungerten, das Schlüsselerlebnis, das ihr Leben veränderte. Der 74-jährige Franzose nahm in verschiedenen Funktionen, darunter als UN-Sondergesandter, an humanitären Einsetzen und friedensstiftenden Missionen in vielen Teilen der Welt, unter anderem in Biafra, Kambodscha, Somalia, Ruanda, im Kosovo und Georgien teil.
„Auch jetzt blickt die Welt wieder ohne zu handeln auf das Massenelend in zahlreichen Ländern. So wird Italien mit den Massenfluchten über das Mittelmeer weitgehend allein gelassen und dabei haben alle Staaten genügend Schiffe, um diese Menschen zu retten“, sagte Kouchner. „Erst jetzt sind wieder Hunderte Flüchtlinge ertrunken.“ Beim Kampf gegen die Ebola-Seuche stünde MSF fast allein an der Front. „Doch statt die betroffenen Länder Westafrikas von der Außenwelt abzuschotten, müssen wir sie stärken und mit ihnen gemeinsam gegen diese todbringende Krankheit vorgehen.“ Jetzt sei eine erste französische Ebola-Patientin in ein Militärhospital nach Paris geflogen worden. Dort soll sie mit neuen Medikamenten behandelt werden.
„In den nächsten Tagen erwarten uns schreckliche Verbrechen und Gräueltaten der mörderischen islamistischen Terrorgruppe IS an den Kurden im Norden Syriens“, prophezeite Kouchner. „Wir wissen, was passieren wird und alle europäischen Regierungen werden nicht helfen.“
Der plötzlich erkrankte Laudator Rupert Neudeck hatte seinem Freund und Mitstreiter Kouchner übermittelt: „Regierungen retten nicht Menschen in Wüstengegenden des Nordirak, in den Weiten der Ostukraine, auf dem süd-chinesischen Meer oder – vorsichtig gesagt – nur in Ausnahmefällen. Wir müssen den ersten Schritt machen und uns dabei nicht scheuen, auch hart am Rande der legalen Welt etwas zu tun, wenn es denn Menschen rettet.“
Zülch, der unabhängig von Kouchner und Neudeck unter dem Eindruck des Völkermordes in Biafra 1968 die GfbV gegründet hatte, erinnerte an ihren gemeinsamen Kampf: „Sich einmischen, um menschliches Leiden zu lindern, Verbrechen bezeugen, Täter benennen und Opfer von Verfolgung, Vertreibung und Völkermord aktiv zur Hilfe kommen – dieser Leitlinie müssen wir folgen.“ So habe es auch der britisch-jüdische Humanist, Verleger und Schriftsteller Victor Gollancz vorgelebt, nach dem der GfbV-Menschenrechtspreis benannt ist.
Der GfbV-Vorsitzende Feryad Omar betonte vor den rund 80 internationalen Delegierten, die am Wochenende zur Jahreshauptversammlung der GfbV in Göttingen Zusammengekommen waren: „Wir sind stolz darauf, in vielen Ländern der Welt eine Stimme zu sein für die, die keine Stimme haben.“
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